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Knecht der Knechte

Leseproben

Wie alles begann ......

Die Strahlen der Morgensonne warfen helle Flecke auf die Bänke des Hörsaals in der Sozialakademie Dortmund und die Studenten und Gäste die zur Exmatrikulationsfeier und gleichzeitiger Zeugnisvergabe erschienen waren zeigten fröhliche und gleichzeitig gespannte Gesichter.
Einigen Studenten  sah man an, dass sie allmählich begriffen, dass die schöne Studienzeit nun unwiederbringlich zu Ende war und schon in den nächsten Tagen der jeweilige Alltag sie einholen würde. Auch mir war diese Erkenntnis beizeiten gekommen. Doch in die Trauer über das Endes spannenden, lockeren und vor allen Dingen geistig freiheitlichen Lebens in den vergangenen Monaten mischte sich die Erwartung auf die Ergebnisse des Abschlusszeugnisses. Außerdem war mein „Alltag“ nicht von langer Dauer; in wenigen Wochen würde ich Jugendsekretär bei der DPG in Dortmund werden. Die gut acht Wochen die dazwischen lagen bestanden aus drei Wochen Urlaub und etwa fünf Wochen „Rückkehr in das alte Berufsleben beim Fernmeldeamt 1 in Dortmund“.
Doch jetzt trat der Leiter der Sozialakademie, Professor Dr. Helmut Duverlell ans Katheder und eröffnete die Exmatrikulationsfeier. Es folgten die Honoratioren aus Bereich des DGB, der Stadt Dortmund  und des Landes NRW. Auch der Sprecher der Studentenvertretung fand wohlgesetzte Worte und lobte die anwesenden Professoren und die Akademie. Wie alle anderen Redner bekam er höflichen Beifall und nun wurden die Zeugnisse verteilt.
Die Verteilung erfolgte alphabetisch und ich kam somit ziemlich zum Schluss an die Reihe. Die Spannung in mir wuchs mit jedem Namen der aufgerufen wurde. Wie hatten die Professoren meine schriftlichen Arbeiten bewertet? Wie hatten sie meine mündlichen Ausführungen gewertet? Wochenlang hatte ich im Fach Betriebswirtschaft  Professor Zimmermann nicht verstanden, allerdings alle anderen Studenten auch nicht. Erst eine Aussprache und etliche Flaschen Dortmunder Bier führten uns mit Professor Zimmermann zusammen und die Vorlesungen wurden für uns verständlicher und endlich auch erhellend.
Ronald Graf wurde aufgerufen, er war Gesamtbetriebsratsvorsitzender einer großen Hotelkette und gehörte zu den ruhigeren Studenten.
Mittlerweile war ich so gestresst, dass ich auch mit einem schwachen „Ausreichend“ zufrieden gewesen wäre. Hauptsache irgendwie „Bestanden“. Bisher waren alle durchgekommen. Allerdings die meisten mit „Befriedigend“ und einige lediglich mit „Ausreichend“.
Jetzt war die Reihe an den Studenten „Rommel“ an der Reihe und auch hier bisher kein „Gut“ oder gar ein „Sehr gut“ in Sicht.
Ich war zu diesem Zeitpunkt fest davon überzeugt, dass ich der erste und einzige sein würde, der es nicht schaffen würde.
„Hermann Schink“ tönte die Stimme von Professor Duvernell und zwei Reihen vor mir erhob sich der Aufgerufene und ging nach vorn.
Hermann Schink hatte mit mir die mündliche Prüfung gemacht und sich als bekennender Kommunist mit dem den CDU Sozialausschüssen angehörenden Leiter der Akademie – Professor Helmut Duvernell bei rechtsphilosophischen Fragen heftig angelegt. Jetzt würde sich zeigen welche Auswirkung dieser Streit bei der Vergabe der Zensuren im Fach „Recht“ haben würde.
Ich konnte es kaum glauben, als von den sechs Studienfächern vier mit einer eins und die anderen beiden mit einer zwei benotet worden waren. Unter den Fächern die mit einer eins benotet worden waren befand sich auch das Fach „Jura“. Professor Duvernell hatte Hermann den Streit nicht nur nicht nachgetragen, sondern dessen abweichende Meinung ausdrücklich honoriert. Damit hatte Hermann Schink die Gesamtnote „Sehr gut“ erhalten und ich war mächtig stolz auf unsere Professoren und besonders auf Prof. Duvernell.
In dem Beifall für den bisher Besten dieses Studienganges hörte ich wie mein Name aufgerufen wurde. Langsam erhob ich mich und ging nach vorn. Der Professor auf den ich eben noch so stolz war begann meine Zensuren vorzulesen: Jura - gut; Soziologie - gut; Sozialpolitik - gut; Volkswirtschaft - gut; Betriebswirtschaft - gut und zu guter Letzt auch im Fach Arbeitswissenschaft - gut. Ich konnte es nicht fassen in allen Fächern eine glatte zwei und damit hatte ich den zweitbesten Abschuss meines Jahrgangs hingelegt.
Völlig sprachlos schaute ich die Professoren in der ersten Reihe an. Ich sah in freundliche Gesichter und erntete anerkennendes Nicken sowie langen Beifall.
Den Rest der Feier bekam ich ehrlich gesagt nicht mehr so richtig mit. Immerzu schaute ich auf mein Zeugnis und konnte es nur sehr langsam fassen – ich hatte tatsächlich in allen Fächern mit „gut“ bestanden.
Nach dem Ende der Feier verließ ich die Sozialakademie nachdem ich mich von den Professoren, den Honoratioren und den anderen Studenten verabschiedet hatte und ging zu meinem blauen „VW – Käfer der bis unters Dach mit Reisegepäck und meiner Freundin Helga bepackt auf dem Parkplatz stand. Nun ging es in den Urlaub und danach – ach das war noch soooooo weit weg........


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